Sommerpause

Ach, liebe LeserInnen,

nachdem ich  seit meinem Urlaub Anfang Juli versuche, mich an ein Blog – Thema zu quälen, hab ich mich jetzt entschlossen, ehrlich zu mir zu sein und eine Sommerpause zu machen. Im September geht´s weiter…

Hitze, etwas angeschlagen aus Kroatien zurückgekommen, etc. etc. … lauter gute Gründe, einfach mal Pause zu machen…

Habt einen schönen Sommer!

 

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Heiliger Geist

oder: Gott in allem und überall…

Wir Christen haben mit unserer Glaubensvorstellung von der Dreifaltigkeit drei verschiedene Zugangsweisen zum großen Rätsel Gott, drei Fenster sozusagen, durch die er sich uns Menschen zeigt und sich zu erfahren gibt. Drei Weisen, in denen wir Christen sicher sind, etwas von ihm begriffen haben, bei aller Bruchstückhaftigkeit.

Wenn Menschen an Gott (Gott Vater, den Schöpfer…) denken, dann denken sie Gott meist als den ganz Großen, den Unerreichbaren und Unbegreiflichen, den, der außerhalb von Welt und Zeit steht, ja sie geschaffen hat, der „im Himmel“ ist und „herabschaut“ auf seine Welt, der von ihr existenziell getrennt und ihr gegenüber ist.. – Und der ist er … auch…

Jesus nennen wir „Gottes Sohn“, weil in ihm und seinem Leben auf einzigartige Weise deutlich geworden ist, was für eine unglaubliche Nähe zwischen Gott und Mensch sein kann. In Jesus Christus reichen sich Menschlichkeit und Göttlichkeit bildlich gesprochen die Hände. Gott und Mensch sind zutiefst verbunden, er berührt uns und lässt sich von uns berühren. Er will uns nah sein und durch uns in dieser Welt sein.

Dazu kommt der, den wir den „Heiligen Geist“  nennen:
Der Teil der göttlichen Wirklichkeit, der in der Welt ist, in allem, überall, schon immer.
Er ist der Funken Göttlichkeit, die in der Welt ist, und zwar in allem, was ist und lebt und zu mehr Leben strebt. Es ist dieser Funke Göttlichkeit, der uns fragen, suchen, hoffen und glauben und über diese Welt hinausschauen lässt.

Beschreiben lässt er sich nicht einfach, sondern nur sehr, sehr vielfältig.
Erfahrbar wird dieser Aspekt Gottes vor allem in einer Weise, die wir als „Kraft“ erleben und benennen. Kraft in den vielfältigsten Erscheinungsformen.
Wegen dieser Vielfältigkeit kann man Hl. Geist auch nicht durch einen einfachen Satz beschreiben, sondern kann ihn und das, was er uns bedeutet, nur mit Worten und Bildern sozusagen einkreisen.

Hier eine kleine, total unvollständige Aufzählung, wie sich der HL. Geist in unserem Leben aufspüren und erfahren lässt:

Er ist Lebenskraft, Lebenshunger, Sehnsucht nach mehr…
Er ist in allem Wachsen, Lernen, Reifen und Erkennen…
Er ist spürbar als innere Orientierung, als das Gespür für richtig und falsch, Recht und Unrecht, als Gewissen…
Er ist das, was durch eine schwere Zeit hindurchträgt, wenn meine eigene Kraft nicht reicht…
Er ist der, der mich die richtigen Worte zur rechten Zeit finden lässt…
Er drängt zum Guten, zum Engagement…
Er ist die zündende Idee, der kreative Durchbruch, der Moment, der etwas bedeutet…
Er lässt mich Sinn erspüren und erfahren…
Er lässt mich begreifen, wer ich bin und wo meine Grenzen sind…
Er schenkt Weisheit, Stärke, Erkenntnis des Wesentlichen, Selbsterkenntnis…
Er macht wach und hellhörig und lässt die Wahrheit erkennen…
Er lässt uns über die Ebene des Sichtbaren und Messbaren hinausahnen, – glauben,
– sehnen…
Er schenkt Mut und Durchhaltevermögen…
Er ist im freien Willen und in der Entscheidungskraft…
Er ist in der Achtung vor dem Leben, im Respekt für den anderen, im Feingefühl…
Er ist schwer zu fassen, braucht Achtsamkeit und macht achtsam…
Er ist zart und leicht wie die Feder einer Taube…
Er ist heftig und ungestüm, überwältigend und stark wie Feuer und Sturm…
Er vernetzt mich mit Gottes Weisheit, die hinter allem liegt…
Er ist Gott in mir…
…und Gott in der Welt.

Denn er ist immer, überall und schon immer. Jeder Mensch hat ihn von Anfang an.
(Und ziemlich sicher ist er auch in den Tieren und Pflanzen, in ihrem Leben, Wachsen und sich Entwickeln, in der Anpassungsfähigkeit und Wandlungsfähigkeit, im Instinkt der Tiere, in der Evolution und der unerschöpflichen Vielfalt der Natur…)
Denn Gott selbst hat ihn ganz tief in den Plan unserer Welt hineingelegt, er ist im Kern allen Seins immer schon da. Wir müssen gar nicht weit gehen, nur bis in unsere Mitte, unserHerz, den Kern unseres Seins…

Aber wenn ihn jeder hat, warum ist die Welt dann nicht besser? Warum läuft so vieles schief? Warum gibt es soviel Ungeist, Borniertheit, Engstirnigkeit, Hass, Verblendung, Verzweiflung,…?

Weil es mit dem Hl. Geist wie mit allem ist, das Gott uns schenkt: Er zwingt ihn uns nicht auf. Er ist da, aber wie ein Samenkorn, das erst keimt und wächst und stark wird, wenn ich es pflanze, gieße, pflege, muss ich auch dem HL. Geist Raum geben, ihn aufspüren, ihn pflegen, ihm vertrauen, damit er wirken kann in mir.
Und das ist – vor allem in unserer wissenschaftsbestimmten Zeit – unglaublich schwer.
Ich habe als Mensch die Freiheit, ihn zu leugnen, ihn zuzuschütten mit Misstrauen, Ablenkung, Zweifel und mehr. Ich kann mich ihm verweigern, ich kann mich jedem Ungeist öffnen und den Geist Gottes in mir ausblenden.
Aber wenn ich daran glaube, dass in mir und in der ganzen Welt überall ein Funke Gottes verborgen ist, dann kann er wachsen, mich und andere stärken, dann beginnt die Welt zu leuchten, dann wird das Wunder sichtbar, das diese Schöpfung Gottes ist, dann bin ich stärker und besser als ich es aus eigenen Kräften sein könnte, dann kann ich zum großen Leben hin wachsen und mit uns die ganze Welt.

Deshalb sprechen wir in der Taufe und Firmung Menschen den Heiligen Geist ausdrücklich zu, damit sie von ihm erfahren, sich ihm öffnen, an ihn glauben, ihn in sich wirken lassen – und damit stärkere, bessere, glücklichere Menschen werden. Menschen, die diese Welt zu einer besseren Zukunft (= „Reich Gottes“) führen.

Lassen wir nicht zu, dass dieser Gedanke untergeht in der Welt von heute, nur weil wir keine vermarktbaren Pfingstbräuche haben!
Reden wir von ihm – besser noch: Lassen wir ihn wirken!

Der Hl. Geist ist wohl die „modernste“ Person Gottes:
Andere nennen ihn „Chi“ oder sprechen davon, dass sie sich etwas vom „Universum“ wünschen, glauben daran, dass da „schon irgendwie etwas Größeres“ ist, das sie aber nicht Gott nennen wollen, weil ihnen die traditionellen Gottesbilder nichts mehr sagen…
Diese göttliche Kraft ist vielen von der Vorstellung her näher als das klassische Gottesbild.
Das Reden vom Heiligen Geist könnte Brücken bauen, uns verbinden, uns, die „Menschen guten Willens“ aller Art, überall auf der Welt …
Lassen wir uns diese Chance nicht entgehen!
So schwer kann das doch nicht sein, er ist doch in uns allen derselbe…

 

 

Unsichtbare Inhalte und vergessene Feste

Vor Kurzem durfte ich zehn muslimischen zukünftigen KulturdolmetscherInnen erklären, wie das mit dem Christsein in Deutschland so ist: Die Veränderungen von der „Volkskirche“ zur „Entscheidungs“- und „Mitläufer“- kirche, die Feste und Bräuche, grundsätzliche Inhalte usw.
An diesem superinteressanten Nachmittag wurde mir erstmal wieder so richtig klar, wie sehr das Christentum ins Unsichtbare und Private geglitten ist in den letzten Jahrzehnten, obwohl es die Fundamente unserer Gesellschaft massiv geprägt hat und prägt.
Was ist eigentlich noch nach außen sichtbar von unserem religiösen Leben, unserem Christsein?
Einmal das, was die Kirche in die Medien bringt: Oft schlechte Nachrichten, seltener mal was Positives, wie z.B. die Unterstützungen und Projekte in der der Flüchtlingskrise u.ä.
(An dieser Stelle mal ein ausdrückliches Medienlob an den BR, der sich sowohl im Radio wie im Fernsehen vielfältig, fundiert und doch auf leicht zugängliche Weise um christlichen Inhalt kümmert! Danke!)
Und dann so der ein oder andere Brauch, den man in der Öffentlichkeit noch sehen kann…
Vor allem die Bräuche, die sich wirtschaftlich nutzen lassen und Geld bringen.
Und so sehen Nichtchristen in Deutschland unsere Religion vor allem durch eine recht seltsame Konsumbrille: Wenn es um Lebkuchen, Christkindlmärkte  und  das Weihnachtsgeschäft geht, muss wohl bald Weihnachten sein; wenn Ostereier usw. im Supermarkt auftauchen,…

Und das ist nicht nur so für die Nichtchristen, sondern gilt ganz genauso für die vielen, die sich zwar noch ganz grundsätzlich irgendwie als christlich bezeichnen, – oft auch noch Mitglied in einer Kirche sind -, aber im Grund nicht mehr wissen, was das alles bedeutet.
Ich muss mich ein wenig fremdschämen, wenn mir eine muslimische Mutter erzählt, sie hätte ihre christliche Bekannte gefragt, um was es denn an Pfingsten ginge. Die Antwort: „Keine Ahnung! Da sind halt Ferien…“

Und auch wenn das nach außen sichtbare Bild von Weihnachten und Ostern ein inhaltlich nicht sehr ergiebiges Bild ist, bin ich dennoch froh drüber. Denn gäbe es diese vermarktbaren Bräuche nicht, wären all unsere Feste so unwahrnehmbar wie Christi Himmelfahrt oder Pfingsten…

… die vergessenen Feste.
Christi Himmelfahrt ist halt Vatertag  – und Pfingsten: „Da sind halt Ferien…“
Das drittwichtigste christliche Fest – und die wenigsten wissen was da gefeiert wird. Traurig irgendwie…

Das mag daran liegen, dass es an diesen Festen eben keine niederschwelligen, netten und offen sichtbaren Bräuche gibt, die das Hineinschauen in das Fest leichter machen (und das Vermarkten und damit auch das Behalten…).
Aber es liegt vielleicht auch daran, dass wir (Christen? SeelsorgerInnen? TheologInnen?…) den Inhalt so wahnsinnig kompliziert machen und uns so schwer tun, drüber normalverständlich zu reden.
Natürlich ist der Heilige Geist nicht ganz so easy zu erklären wie Jesus selbst, bei dem wir sagen können: Schau da: Der war ein Mensch, hat das und das getan, hier stehen die Geschichten aufgeschrieben… (- obwohl die Sache mit der Himmelfahrt ist dann doch nicht soo einfach…)
Aber ich muss nicht unbedingt eine theologisch unangriefbare  Abhandlung schreiben, um den Leuten einen ersten Zugang zum Heiligen Geist und was dieser Begriff meint zu ermöglichen!
Sooo schwer ist das auch wieder nicht zu erklären. Ich mach das schließlich jedes Jahr in der Firmvorbereitung…

Aber ich habe einfach grundsätzlich dieses Gefühl, dass wir Christen uns viel zu oft um die Kernthemen und – aussagen unseres Glaubens drücken, „weil das alles so schwierig zu erklären ist und ich gar nicht weiß, wo ich da anfangen sollte…“
Also fangen wir gar nicht erst an, normal darüber zu reden, noch nichtmal miteinander, und schon gar nicht mit den anderen Religionen. (Dabei wäre das Denkkonzept „Heiliger Geist“ eine tolle Gesprächsbrücke gerade zu den fernöstlichen Religionen, aber auch zu vielen esoterischen Ansätzen.)
Und wenn es dann auch keine sichtbaren Zeichen und Bräuche gibt, die man halt macht, weil´s schön ist, auch wenn nicht immer klar ist, warum, dann verschwindet ein Fest wie Pfingsten halt in die totale Irrelevanz – und damit auch der Inhalt.
Und dann können wir drauf warten, dass auch der Feiertag verschwindet und damit die Ferien… Spätestens dann würden die Leute Pfingsten wohl wieder sehr wichtig finden… 😉

Wir können es uns als Christen nicht leisten, den Heiligen Geist in die allgemeine Vergessenheit abdriften zu lassen!
Nicht nur, weil er ein grundsätzlicher Teil unserer Dreifaltigkeitsaussage über Gott ist, sondern auch, weil er eine Zugangsweise zu Gott ist, die uns in unserer Zeit echt weiterbringen könnte! (Meine These…)

Das spricht in keiner Weise dagegen, dass wir auch über Gott Vater und Jesus Christus angemessen, offen und neu (?) sprechen sollten. Aber die Frage nach Gott ist ja durchaus wach in unserer Welt, die Frage nach Jesus auch.
Aber nach dem Heiligen Geist wird ja schon nicht mal mehr gefragt!

So, und jetzt warten (wahrscheinlich? hoffentlich? vielleicht?) alle darauf, dass ich endlich mal erkläre, wer oder was er nun ist, der Heilige Geist…

Cliffhanger!!!!

Das mach ich nächstes Mal, dieser Post ist schon lang genug.

(Und nachdem meine Sehnenscheidenentzündung langsam besser wird, müsst Ihr auch nicht sooo lang drauf warten!)

Ostern – endlich!

Liebe Leser, ich bin Euch noch Ostern schuldig! Das geht ja gar nicht, nur über Kreuz und Karfreitag zu schreiben, und dann kommentarlos in die Osterpause zu gehen…
Aber eines darf ich da gleich vorausschicken: Einfacher wird es auch beim Thema Auferstehung nicht. Schöner – ja! Hoffnungsvoller – sicher! aber nicht einfacher…

Denn das, was wir an Ostern feiern, ist gleichzeitig die wichtigste Aussage unseres Glaubens und ein wirklich unbegreifliches Geschehen, das sich unserer Logik und unserem wissenschaftlich geschulten Gehirn entzieht.
Grundsätzlich ist es klar, worum es geht: Gott lässt Jesus nicht im Tod, er erweckt ihn zu neuem Leben und seine Auferstehung ist das Versprechen, dass uns das gleiche geschehen wird.
Als Christen ist uns das schon irgendwie klar, wir sagen es auch auf in jedem Gottesdienst: „Deinen Tod, o Herr verkünden wir und deine Auferstehung preisen wir, bis du kommst in Herrlichkeit.“
Aber wenn ich genauer nachfrage, höre ich immer öfter Zweifel an der Sache der Auferstehung, selbst bei regelmäßigen Kirchgängern – oder zumindest mehr oder weniger hilflose Versuche, sich das irgendwie verständlich hinzuerklären, was damals geschah.
Denn so wie das da in der Bibel erzählt wird kann es doch nicht wirklich geschehen sein, oder?  Das klingt dann doch zu sehr nach Märchen oder Wunschdenken…
Es ist doch sonst auch keiner zurückgekommen! Und wie sollte das auch konkret gegangen sein?

Tatsächlich lassen sich viele biblische Geschichten ja durchaus rational erklären, verständlich machen mit etwas Einblick in Sprache, Welt und Erzählstil der damaligen Zeit. Dass die Bibel nicht stets wörtlich zu nehmen ist, vieles da symbolisch gemeint ist und wir mit wissenschaftlichen Methoden an sie herangehen dürfen und müssen, ist mittlerweile hoffentlich bei jedem angekommen. Ebenso, dass wir in ihr dennoch Wahrheit finden, wenn auch nicht die Wahrheit der Wissenschaft.
Aber die Auferstehungserzählungen entziehen sich  dieser „vernünftigen“ Herangehensweise und Deutung merkwürdig hartnäckig.

Schon früh haben Zweifler und Kritiker versucht, die Auferstehung Jesu zu „zerklären“. Es gab z.B. den Versuch einer Erklärung, die besagt, dass er gar nicht gestorben sei, sondern nur ohnmächtig war und nach dem, was wir Auferstehung nennen, geflohen sei, um woanders weiterzuwirken. – Ein Versuch, das Geheimnis durch Ratio aufzulösen, der regelmäßig in boulevardwissenschaftlichen Fernsehsendungen wieder auftaucht.
Ein Firmling der letzten Jahre andererseits hat mir mal im Brustton der privat entdeckten Überzeugung gesagt, dass er davon ausgehe, dass die Jünger sich einfach zusammengetan hätten und behauptet hätten, dass Jesus lebe, weil dann alles weitergehen konnte. – Eine klassische Verschwörungstheorie…
In meinen Augen hilft das eine wie das andere nicht weiter bei der „Erklärung“ von Ostern.

Ja, ich gebe zu: Vieles verwirrt an der Geschichte, bzw. den Geschichten.
Die Uneinheitlichkeit der einzelnen Osterberichte, die die Kirche ganz bewusst ohne Wertung nebeneinander stehen lässt und an den vielen Sonntagen der Osterzeit liest.
Die überhaupt nicht logische Zeitleiste der Erzählungen.
Die Berichte, dass Jesus berührbar war, gegessen und getrunken hat wie zuvor und doch durch verschlossene Türen gehen konnte.
Und warum erkennen seine Freunde ihn oft zuerst nicht?
u.v.m.

Seltsam ist das alles schon.
Was ist jetzt wahr an den Berichten von den Begegnungen mit dem Auferstandenen?
Ganz offen gesagt: Das kann ich auch nicht erklären, zumindest nicht allgemeingültig oder wissenschaftlich.
Und wahrscheinlich ist das gut so.
Ostern reicht eben über das Menschenerklärbare hinaus, hinein in eine andere Ebene. Und jede Erklärung, die alle zufriedenstellt, würde das Geheimnis der Auferstehung Jesu Christi einengen in unsere menschlich begreifbare, messbare und begrenzte Realität.
Was „wahr“ daran ist, lässt sich vielleicht nur ganz persönlich entdecken, wenn wir uns auf die verschiedenen Erzählungen einlassen, indem wir sie als ganz persönliche Glaubenserfahrungen begreifen, die auch damals schwer in menschliche Worte zu fassen waren. Indem wir sie in ihrer Verschiedenheit nebeneinander stehen lassen, ohne sie logisch auflösen zu wollen.
Und indem wir darauf vertrauen, dass all diese Menschen wirklich etwas erlebt haben, etwas ganz grundsätzlich Bewegendes und Berührendes. So berührend, dass sie davon erzählen wollten/mussten. Etwas, das so wichtig, so grundsätzlich, so weltbewegend war, dass sie all ihre Hoffnungen darauf gesetzt haben.
Eine Erfahrung, die nicht ein Einzelner, sondern viele gemacht haben, wie unterschiedlich sie auch im Einzelnen war.
Es geht um Vertrauen an Ostern – um das Vertrauen darauf, dass diese Menschen uns nicht mutwillig anlügen wollten (wozu auch?), sondern ihre eigene, schwer fassbare Glaubenserfahrung mit uns teilen wollten, wobei ihre Vielzahl und Vielfältigkeit ihre Glaubwürdigkeit in meinen Augen sogar noch erhöht, nicht verringert.
„Diesen Jesus hat Gott auferweckt, dafür sind wir alle Zeugen.“ (Apg 2,32)
Es geht um Vertrauen darauf, dass diese Zeugen etwas weitergegeben haben, das über unsere Welt hinausreicht, bis hinein in göttliche Realität.

Letztendlich geht es bei Ostern ganz einfach um – Glauben.
Nicht grundlos, nicht blind-naiv, aber eben um Glauben daran, dass damals wirklich etwas Erstaunliches geschah: „Diesen Jesus hat Gott auferweckt, dafür sind wir alle Zeugen.“

(Ja, ich kann schon irgendwie ganz gut verstehen, warum sich manche bei Ostern auf das simple Frühlings- und Fruchtbarkeitsfest zurückziehen.
Leid, Tod und Auferstehung sind starker Tobak – und gerade das ist der Urgrund unserer Religion… Einfach wird´s uns da nicht gemacht. Aber deshalb feiern wir Ostern ja nicht nur einmal, sondern jedes Jahr. Vielleicht verstehen wir von Jahr zu Jahr etwas besser… mit Kopf, mit Herz, mit Bauch, mit Seele?)

 

 

 

 

 

Karfreitag – und überhaupt…

Der Karfreitag führt uns mitten hinein in das Thema „Christsein ist kein Kindergeburtstag“. Er stellt mehr Fragen als er beantwortet. Vielleicht die wichtigsten Fragen des Glaubens überhaupt. …Und er ist so weit vom Osterhasen und von Frühlingsgefühlen weg wie man sich das nur vorstellen kann.
In nur einem Blogpost ist er nicht zu fassen. (Aber es kommen ja noch weitere Karfreitage in den nächsten Jahren…)
Deshalb gibt es heute nur Mosaiksteinchen zum großen Bild des Karfreitags:

Karfreitag ist der Tag des Scheiterns.
Ihn als Tag der Erfüllung eines langen, vielleicht sogar durch Gott selbst vorbestimmten Wegs zu sehen, ist zu kurz gegriffen. Jesus war aufgebrochen, das Reich Gottes, also ein Leben in Fülle für alle, zu verkünden, nicht um sich selbstmörderisch als Opfer hinzuwerfen. Dass es so kam, wie es kam, ist das Werk der Menschen. Und Menschen können sich eben auch zu Grausamkeit und Vernichtung entscheiden.
Warum Gott das zulässt, ist eine andere Frage, – eine gute Frage angesichts all des Leids, das wir Menschen übereinander bringen. Der Karfreitag stellt diese Frage, sie zieht sich wie ein roter Faden durch den Tag, aber er beantwortet sie nicht.

War der Kreuzestod Jesu notwendig, damit Gott durch ihn die Welt erlösen konnte?
Ich glaube, wir denken Gott zu klein, wenn wir unterstellen, er hätte keine andere Möglichkeit zur Erlösung gehabt.
Dass es gerade so und nicht anders gekommen ist, ist das Werk der Welt und ihrer Kräfte.
Aber das Geschehen von Tod und Auferstehung zeigt uns Gott als einen, dem unser Leid nicht egal ist, selbst dann nicht wenn wir uns von ihm verlassen fühlen („Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen!“, ruft Jesus am Kreuz mit den Worten des 22. Psalms.)
Der Karfreitag zeigt uns unseren Gott als einen, der sogar aus Scheitern, Leid und Tod neues Leben, einen neuen Anfang, Erlösung  machen kann, obwohl es gar nicht danach aussieht. Doch das erzählt uns erst der Blick von Ostern her auf das Kreuz.

Am Karfreitag selbst stehen wir erst einmal fassungslos, trostlos, ohnmächtig mit unter dem Kreuz. Und damit fassungslos, trostlos, ohnmächtig im Angesicht all des schrecklichen Leids unserer Zeit, geboren aus denselben grausamen, fanatischen, zerstörerischen, verständnislosen Kräften, die auch damals gewirkt haben.
Das gilt es auszuhalten, auch wenn wir nichts tun können. Und Hinschauen und Aushalten ist so unglaublich schwer. Wie oft hören wir weg, wenn die Nachrichten wieder von schrecklichen Ereignissen berichten, verschließen unser Herz, weil es uns einfach zuviel ist?
Dabei ist Da-Sein und Aushalten oft das Einzige, was zu tun bleibt. So wie Gott da ist, auch mitten im Leid. Denn so lautet sein Name: Jahwe, der „Ich bin da, wo immer du auch bist“. Wer im Leid mit Leidenden aushält wird zur Spur Gottes in der Welt.

Christen, so lehrt es der Karfreitag, sind eben keine naiven, weltfremden Hallelujasinger, sondern Menschen, die sich dem Leid der Welt und den Fragen, die es aufwirft, stellen. – Sie sollten es zumindest sein…

und noch ein Mosaiksteinchen:
„Doch er wurde durchbohrt wegen unserer Verbrechen, wegen unserer Sünden zermalmt. Zu unserem Heil lag die Strafe auf ihm, durch seine Wunden sind wir geheilt.“ (Jes 53,5) Das ist eine Zeile aus der 1. Lesung am Karfreitag.
Jesus meinetwegen, wegen meiner Unzulänglichkeiten grausam getötet? Kann ich das glauben? Will ich das überhaupt? – Nein.
Aber darf ich das denn ablehnen, ist das nicht christliche Grundüberzeugung?
Zwei kurze Antworten dazu:
1. Der Text, der hier gelesen wird ist schon Jahrhunderte vor Jesus entstanden,  in der Auseinandersetzung mit der Frage des Leides an ganz anderem zeitlichen Ort. Es ist ein prophetischer Text und als solcher individuell, mystisch und vieldeutig. Die Ursprungssitution ist unklar. Der Prophet kommt zu seiner ganz persönlichen Lösung für die Frage des Leids. Die kann ich respektvoll lesen/hören, muss sie aber nicht absolut setzen. Denn erst im Gesamtbild aller biblischen Aussagen – und die sind sehr unterschiedlich –  entsteht das, was wir „Wort Gottes“ nennen. (Dazu später mal mehr…)
2. Ja, die Bilder des Jesaja und der Passion gleichen sich, eine Übertragung liegt nah.
Aber nicht einfach wörtlich und platt „Er ist wegen meiner Sünden gestorben.“ – Wie auch, ich war damals noch gar nicht geboren… (Jaja, vor Gott zählt die Zeit nicht und so… trotzdem!)
Ich verstehe das eher so: Dieses Geschehen damals nimmt mich mit hinein. In dem wir es hören, betrachten, vergegenwärtigen, spiegeln wir unser Leben, unser Sein an diesem Geschehen, mit all unseren Fehlern, unserem Leid, mit allem, was wir sind. Unser eigenes Scheitern wird mithineingenommen in Sein Scheitern, ich kann mich an unterschiedlichster Stelle der Geschichichte wiederfinden, in unterschiedlichsten Rollen.
Und damit werde ich mit hindurchgenommen durch den Tod ins Leben. – Ja, ich weiß, jetzt werde ich sprachlich auch mystisch, aber so ist es halt, ist halt gar nicht so simpel, unser Glaube…

Ein letztes:
Ist der Tod Jesu ein „Opfer“?
Jein…, das kommt darauf an, wie ich Opfer verstehe. Nicht im alten Sinn: Ich gebe Gott ein Opfer, dann gibt er mir, was ich will…
Wir schauen hier im Gegenteil auf das Ende aller Opfer. Jesu Tod ruft auf: Kein Mensch soll je wieder zum Opfer gemacht werden!
Er selbst durchbricht die Spirale aus Opfer/Täter, Tat/Vergeltung, indem er sagt: „Vater, vergib ihnen! Denn sie wissen nicht was sie tun.“
Er entscheidet sich für die Konsequenz des Kreuzes, macht das, was da geschieht, zur Selbsthingabe und lässt sich eben nicht zum hilflosen Opfer degradieren.
Zum Opfer gemacht zu werden, nimmt einem die Würde und die Menschlichkeit.
Jesus bleibt Mensch bis zum Schluss, menschlich bis zum Schluss, mit all seiner göttlichen Würde.

Die Leidensgeschichte Jesu ist eine der stärksten Menschheitsgeschichten überhaupt.
Mit ihr ist nicht leicht fertig werden. – Und ich bin es auch noch nicht, werde es vielleicht nie.
Diese Gedanken sind nur ein Anfang…

Abschied – Und was dann?

Gründonnerstag ist die vernachlässigte Station der Heiligen Woche, unseres Feierns des unbegreiflichen Geschehens um den Tod Jesu. Seit es kein Feiertag mehr ist, geht keiner mehr hin. – Na gut, fast keiner…

Dabei ist genau dieser Abend so voller Spannung wie kaum ein Hollywoodfilm. Wir erleben mit, wie sich alles entscheidet, was sich damals in dieser Pessachfestwoche in Jerusalem langsam im Hintergrund angebahnt hat:

Die Kräfte der Macht haben sich längst zusammengetan:
Die Römer, denen da schon wieder ein Messias, will sagen, einer mit göttlichem Machtanspruch, im Weg umgeht. So einige messianische Aufstände haben sie bereits mit Waffengewalt niedergeschlagen…
Dazu die Verantwortlichen der Juden im Hohen Rat: Politisches Kalkül und Vorsicht lassen sie zum Entschluss kommen, dass dieser Jesus weg muss. Weil er mit dem Klang der Wahrheit spricht, weil ihm zu viele Menschen nachlaufen, weil er zu gut ist, weil er die Finger in die Wunden – also die Fehler und Mängel – des Establishments legt, weil er gefährlich ist.
Sogar in den eigenen Reihen ist einer beteiligt. Was Judas will, bleibt unklar: Will er Jesus zum (politischen) Handeln zwingen? Ist er mit der Situation unzufrieden? Hat er sich das mit der messianischen Ankunft anders vorgestellt?

Die Schlinge zieht sich zusammen um Jesus und er weiß das.
Hat er sich vor der Entscheidung gesehen: Weglaufen, fliehen, sich retten – und damit seine ganze Botschaft unglaubwürdig machen? Oder bleiben, durchhalten, die Konsequenzen seines Handelns und Redens tragen?
Wir kennen das Ergebnis.

Nun feiert er mit seinen Freunden Pessach, ein Fest voller Freude, ein Fest der Befreiung… Wie feiert man so etwas im Angesicht des Todes?
Der Gründonnerstagsgottesdienst nimmt uns mit hinein in dieses Fest. Wie in einem klassisches Drama kurz vor der Katastrophe erleben wir mit, wie das Unheil unbremsbar seinen Lauf nimmt.
Vergegenwärtigung nennt man das liturgisch. Wir sind mitten drin. Was damals war, geschieht jetzt, wie in einem guten Film…
Nach dem Gloria verstummen Orgel und Glocken – der Soundtrack des Thrillers schaltet auf beunruhigende Stille.
Wir sind dabei, als er zugleich mit dem Verräter seine Hand in die Schüssel taucht und als dieser den Raum verlässt. Aber wir sind auch dabei, wenn Jesus seinen Jüngern sein Vermächtnis übergibt: In den zwei Zeichen der Fußwaschung und im Teilen von Brot und Wein: „Denn am Abend, an dem er ausgeliefert wurde und sich aus freiem Willen dem Leiden unterwarf – das ist heute -, nahm er das Brot und sagte Dank, brach es, reichte es seinen Jüngern und sprach: Nehmet und esset alle davon. Das ist mein Leib, der für euch hingegeben wird…“ – Immer wenn ihr das tut, bin ich bei Euch wie aus Fleisch und Blut. – Ich bin bei euch bis ans Ende aller Tage.
Sie werden trotzdem verzweifelt sein, hoffnungslos und untröstlich am Tag seines Todes…
Glauben, dass es ein Danach gibt, war auch damals nicht leicht.

Wir sind mit dabei, wenn das Fest vorüber ist (die Kirche wird leer geräumt, die Liturgie spricht sogar von Verwüstung) – und Jesus in den Garten geht, um zu beten.
Und machen wir uns nichts vor: Da schreit einer seine Angst zum Himmel wie es zahllose Menschen auch heute noch jeden Tag tun.
– Und seine Freunde schlafen den Schlaf der nicht Betroffenen. Wie schwer ist es doch, sich dem Leid des anderen zu stellen…

Und dann: Tumult am Eingang: Soldaten, Abgesandte des Hohenpriesters und noch einer…
Seht, der Verräter, der mich ausliefert, ist da!

(Ich weiß, es ist zu spät, um einzuladen, einen der Gründonnerstagsgottesdienste zu besuchen. Und vielleicht sind eh nicht alle so gefeiert, dass man das wirklich gut erleben kann… Aber dennoch: Versucht es mal wieder! Die Heilige Woche ist kein Wunschkonzert. Nur das Ganze macht Sinn!)

Schwierige Heilige Woche

… Oder:  Christsein ist kein Kindergeburtstag…

(Zuerst einmal ist eine Entschuldigung fällig dafür, dass ich so lange nichts gepostet habe. Natürlich habe ich all die üblichen Ausreden: Ich war ein paar Tage nicht da, habe dann noch Geburtstag gehabt, und überhaupt der ganze Arbeitsberg vor Ostern… Aber ich weiß, dass ein Blog, wenn man ihn schon gestartet hat, nicht vernachlässigt werden darf… Ich gelobe Besserung!)

So, aber nun zum Thema:

Wir sind mitten in dem, was wir die „heilige Woche“ nennen (Palmsonntag bis Ostersonntag).

Die meisten denken bei Ostern vor allem an Ferien, das letzte Mal Skifahren vielleicht, und dann noch den Osterhasen und die Ostereier für die Kinder und den guten Ostersonntagsbraten für das Familientreffen. – Aber alles das ist dann doch lange nicht so wichtig wie Weihnachten…
Gegen ein schönes Familienosterfest ist zwar nichts zu sagen, reduziert aber das wichtigste christliche Fest auf seine vorchristlichen Wurzeln eines Lebens- und Fruchtbarkeitsfestes. Das mag für viele auch genug sein, für mich ist es der „easy way out“ aus dem, was Ostern eigentlich bedeutet.

Denn Ostern ist nicht „easy“ und an diesem Fest lässt sich auch ganz gut festmachen, dass das Christentum nicht „easy“ ist. Dieser Glaube macht es seinen Gläubigen nicht leicht. Nicht nur verlangt er von uns, selbst zu denken, er konfrontiert uns auch mit den unangenehmsten Bildern und Wahrheiten und verlangt dann, dass wir uns entschieden dazu stellen. Anspruchsvoll!
Wer denkt, Christsein wäre in einem Autoaufkleber „Freu dich! Jesus liebt dich!“ zu fassen, wird spätestens in dieser Woche merken, dass er/sie da was nicht verstanden hat.
– Und irritiert sein, beunruhigt sein, vielleicht eben auch wegschauen und sich lieber dem Osterhasen zuwenden.
Denn die Geschichte dieser Woche nimmt uns mit auf eine schwer auszuhaltende Achterbahnfahrt, die uns mit den Höhen und Tiefen des menschlichen Wesens konfrontiert, mit Ruhm und Stardom, mit Scheitern, mit Versagen,… und uns immer wieder den Spiegel vorhält und uns anfragt: „Wie hättest du gehandelt?“
Und zum Abschluss stellt sie uns vor eine der unbegreiflichsten, unbeweisbarsten und schwierigsten Glaubenszusagen überhaupt: Die Auferstehung.

Es beginnt am Palmsonntag ganz oben mit Jubel und Ruhm: „Jesus soll unser König sein!“, lassen wir die Kinder singen, wenn sie die Palmbuschen hochhalten. Jesus ist ganz oben angekommen, nur um ganz tief zu fallen. So gern wir in der Jubelsituation des triumphalen Einzugs in Jerusalem bleiben möchten, müssen wir uns noch amselben Tag bereits die Leidensgeschichte zum ersten Mal anhören, fast so, als wollte uns die kirchliche Leseordnung sagen: Freut euch nicht zu früh!

Das kennen wir auch heute: Stars werden im Netz gehypt, in vollen Stadien zu Halbgöttern erhoben. – Bis der erste Shitstorm kommt, bis seine bloße Menschlichkeit sichtbar wird oder schlimmer: Bis der Rückfall kommt in die Bedeutungslosigkeit und ins Unbekannt und Unerkannt Sein.

Wer bin ich in dieser Szene?
Jubelnder?
Bejubelte, die genau spürt, wie oberflächlich und wenig nachhaltig dieser Fanruhm ist? Oder sorgenvoller Zuschauer, der ängstlich darauf wartet, dass diese Situation eskaliert, zu einem Aufstand wird, ins Zerstörerische kippt?
Oder Gegner, der den Jubel nicht aushalten kann, nicht will, dass dieser da so viel Aufmerksamkeit bekommt, gerade weil er einer von den „Guten“ ist?
Oder Unbeteiligter Wegschauer?
Oder eine der Verantwortungsträgerinnen, die Schlimmeres vermeiden will: „Es ist besser, dass einer für das Volk stirbt…“
All denen werden wir wieder begegnen, an dem anderen Weg, an dem aus Jubel Schläge und aus „Hosianna!“ „Ans Kreuz mit ihm!“ wird.

Die Rollenverteilung in der Geschichte vom Leiden, vom Kreuz, von der Auferstehung ist alles andere als eindeutig. Da gibt es nicht Klares Schwarz und Weiß – und irgendwo in all den Grautönen können wir uns alle finden, uns selbst, unsere Welt wie sie heute ist, alle Täter und alle Opfer, alle.
Vielleicht ist genau deshalb diese Geschichte immer wieder eine ganze Woche des Bedenkens, des Feierns wert.
Sie zeigt uns ganz deutlich, wie wirr und unklar die Welt ist, auch unsere heute; wie Absichten, Ursachen, Schuld mit hineinverflochten sind in alles, was wir versuchen.

Die Frage, wo und wie Gott in all dem ist, warum er so etwas zulässt, ist berechtigt und aktuell. Sie ist nicht so einfach zu beantworten.
Ein einfaches „Gott ist da!“ „Gott hat dich lieb!“, ist da unangebracht, klingt sogar höhnisch.
Gott ist nicht einfach, nicht im Ganzen begreifbar, nicht lösbar we eine Gleichung; und jede Religion, jede Glaubensrede, die das versucht, wird unserer Welt und all dem Leid, all dem Schwierigen und Komplexen in ihr nicht gerecht.
Auch das ist eine Grundaussage unseres christlichen Glaubens, die schwer auszuhalten ist. Aber alles andere wäre zu billig.
Christsein ist eben kein Kindergeburtstag, sondern verflixt kompliziert, wie das Leben selbst.

Und die Heilige Woche stellt uns mitten hinein in diese Schwierigkeiten. – Und das ist auch gut so!