oder: Gott in allem und überall…

Wir Christen haben mit unserer Glaubensvorstellung von der Dreifaltigkeit drei verschiedene Zugangsweisen zum großen Rätsel Gott, drei Fenster sozusagen, durch die er sich uns Menschen zeigt und sich zu erfahren gibt. Drei Weisen, in denen wir Christen sicher sind, etwas von ihm begriffen haben, bei aller Bruchstückhaftigkeit.

Wenn Menschen an Gott (Gott Vater, den Schöpfer…) denken, dann denken sie Gott meist als den ganz Großen, den Unerreichbaren und Unbegreiflichen, den, der außerhalb von Welt und Zeit steht, ja sie geschaffen hat, der „im Himmel“ ist und „herabschaut“ auf seine Welt, der von ihr existenziell getrennt und ihr gegenüber ist.. – Und der ist er … auch…

Jesus nennen wir „Gottes Sohn“, weil in ihm und seinem Leben auf einzigartige Weise deutlich geworden ist, was für eine unglaubliche Nähe zwischen Gott und Mensch sein kann. In Jesus Christus reichen sich Menschlichkeit und Göttlichkeit bildlich gesprochen die Hände. Gott und Mensch sind zutiefst verbunden, er berührt uns und lässt sich von uns berühren. Er will uns nah sein und durch uns in dieser Welt sein.

Dazu kommt der, den wir den „Heiligen Geist“  nennen:
Der Teil der göttlichen Wirklichkeit, der in der Welt ist, in allem, überall, schon immer.
Er ist der Funken Göttlichkeit, die in der Welt ist, und zwar in allem, was ist und lebt und zu mehr Leben strebt. Es ist dieser Funke Göttlichkeit, der uns fragen, suchen, hoffen und glauben und über diese Welt hinausschauen lässt.

Beschreiben lässt er sich nicht einfach, sondern nur sehr, sehr vielfältig.
Erfahrbar wird dieser Aspekt Gottes vor allem in einer Weise, die wir als „Kraft“ erleben und benennen. Kraft in den vielfältigsten Erscheinungsformen.
Wegen dieser Vielfältigkeit kann man Hl. Geist auch nicht durch einen einfachen Satz beschreiben, sondern kann ihn und das, was er uns bedeutet, nur mit Worten und Bildern sozusagen einkreisen.

Hier eine kleine, total unvollständige Aufzählung, wie sich der HL. Geist in unserem Leben aufspüren und erfahren lässt:

Er ist Lebenskraft, Lebenshunger, Sehnsucht nach mehr…
Er ist in allem Wachsen, Lernen, Reifen und Erkennen…
Er ist spürbar als innere Orientierung, als das Gespür für richtig und falsch, Recht und Unrecht, als Gewissen…
Er ist das, was durch eine schwere Zeit hindurchträgt, wenn meine eigene Kraft nicht reicht…
Er ist der, der mich die richtigen Worte zur rechten Zeit finden lässt…
Er drängt zum Guten, zum Engagement…
Er ist die zündende Idee, der kreative Durchbruch, der Moment, der etwas bedeutet…
Er lässt mich Sinn erspüren und erfahren…
Er lässt mich begreifen, wer ich bin und wo meine Grenzen sind…
Er schenkt Weisheit, Stärke, Erkenntnis des Wesentlichen, Selbsterkenntnis…
Er macht wach und hellhörig und lässt die Wahrheit erkennen…
Er lässt uns über die Ebene des Sichtbaren und Messbaren hinausahnen, – glauben,
– sehnen…
Er schenkt Mut und Durchhaltevermögen…
Er ist im freien Willen und in der Entscheidungskraft…
Er ist in der Achtung vor dem Leben, im Respekt für den anderen, im Feingefühl…
Er ist schwer zu fassen, braucht Achtsamkeit und macht achtsam…
Er ist zart und leicht wie die Feder einer Taube…
Er ist heftig und ungestüm, überwältigend und stark wie Feuer und Sturm…
Er vernetzt mich mit Gottes Weisheit, die hinter allem liegt…
Er ist Gott in mir…
…und Gott in der Welt.

Denn er ist immer, überall und schon immer. Jeder Mensch hat ihn von Anfang an.
(Und ziemlich sicher ist er auch in den Tieren und Pflanzen, in ihrem Leben, Wachsen und sich Entwickeln, in der Anpassungsfähigkeit und Wandlungsfähigkeit, im Instinkt der Tiere, in der Evolution und der unerschöpflichen Vielfalt der Natur…)
Denn Gott selbst hat ihn ganz tief in den Plan unserer Welt hineingelegt, er ist im Kern allen Seins immer schon da. Wir müssen gar nicht weit gehen, nur bis in unsere Mitte, unserHerz, den Kern unseres Seins…

Aber wenn ihn jeder hat, warum ist die Welt dann nicht besser? Warum läuft so vieles schief? Warum gibt es soviel Ungeist, Borniertheit, Engstirnigkeit, Hass, Verblendung, Verzweiflung,…?

Weil es mit dem Hl. Geist wie mit allem ist, das Gott uns schenkt: Er zwingt ihn uns nicht auf. Er ist da, aber wie ein Samenkorn, das erst keimt und wächst und stark wird, wenn ich es pflanze, gieße, pflege, muss ich auch dem HL. Geist Raum geben, ihn aufspüren, ihn pflegen, ihm vertrauen, damit er wirken kann in mir.
Und das ist – vor allem in unserer wissenschaftsbestimmten Zeit – unglaublich schwer.
Ich habe als Mensch die Freiheit, ihn zu leugnen, ihn zuzuschütten mit Misstrauen, Ablenkung, Zweifel und mehr. Ich kann mich ihm verweigern, ich kann mich jedem Ungeist öffnen und den Geist Gottes in mir ausblenden.
Aber wenn ich daran glaube, dass in mir und in der ganzen Welt überall ein Funke Gottes verborgen ist, dann kann er wachsen, mich und andere stärken, dann beginnt die Welt zu leuchten, dann wird das Wunder sichtbar, das diese Schöpfung Gottes ist, dann bin ich stärker und besser als ich es aus eigenen Kräften sein könnte, dann kann ich zum großen Leben hin wachsen und mit uns die ganze Welt.

Deshalb sprechen wir in der Taufe und Firmung Menschen den Heiligen Geist ausdrücklich zu, damit sie von ihm erfahren, sich ihm öffnen, an ihn glauben, ihn in sich wirken lassen – und damit stärkere, bessere, glücklichere Menschen werden. Menschen, die diese Welt zu einer besseren Zukunft (= „Reich Gottes“) führen.

Lassen wir nicht zu, dass dieser Gedanke untergeht in der Welt von heute, nur weil wir keine vermarktbaren Pfingstbräuche haben!
Reden wir von ihm – besser noch: Lassen wir ihn wirken!

Der Hl. Geist ist wohl die „modernste“ Person Gottes:
Andere nennen ihn „Chi“ oder sprechen davon, dass sie sich etwas vom „Universum“ wünschen, glauben daran, dass da „schon irgendwie etwas Größeres“ ist, das sie aber nicht Gott nennen wollen, weil ihnen die traditionellen Gottesbilder nichts mehr sagen…
Diese göttliche Kraft ist vielen von der Vorstellung her näher als das klassische Gottesbild.
Das Reden vom Heiligen Geist könnte Brücken bauen, uns verbinden, uns, die „Menschen guten Willens“ aller Art, überall auf der Welt …
Lassen wir uns diese Chance nicht entgehen!
So schwer kann das doch nicht sein, er ist doch in uns allen derselbe…

 

 

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