Vor Kurzem durfte ich zehn muslimischen zukünftigen KulturdolmetscherInnen erklären, wie das mit dem Christsein in Deutschland so ist: Die Veränderungen von der „Volkskirche“ zur „Entscheidungs“- und „Mitläufer“- kirche, die Feste und Bräuche, grundsätzliche Inhalte usw.
An diesem superinteressanten Nachmittag wurde mir erstmal wieder so richtig klar, wie sehr das Christentum ins Unsichtbare und Private geglitten ist in den letzten Jahrzehnten, obwohl es die Fundamente unserer Gesellschaft massiv geprägt hat und prägt.
Was ist eigentlich noch nach außen sichtbar von unserem religiösen Leben, unserem Christsein?
Einmal das, was die Kirche in die Medien bringt: Oft schlechte Nachrichten, seltener mal was Positives, wie z.B. die Unterstützungen und Projekte in der der Flüchtlingskrise u.ä.
(An dieser Stelle mal ein ausdrückliches Medienlob an den BR, der sich sowohl im Radio wie im Fernsehen vielfältig, fundiert und doch auf leicht zugängliche Weise um christlichen Inhalt kümmert! Danke!)
Und dann so der ein oder andere Brauch, den man in der Öffentlichkeit noch sehen kann…
Vor allem die Bräuche, die sich wirtschaftlich nutzen lassen und Geld bringen.
Und so sehen Nichtchristen in Deutschland unsere Religion vor allem durch eine recht seltsame Konsumbrille: Wenn es um Lebkuchen, Christkindlmärkte  und  das Weihnachtsgeschäft geht, muss wohl bald Weihnachten sein; wenn Ostereier usw. im Supermarkt auftauchen,…

Und das ist nicht nur so für die Nichtchristen, sondern gilt ganz genauso für die vielen, die sich zwar noch ganz grundsätzlich irgendwie als christlich bezeichnen, – oft auch noch Mitglied in einer Kirche sind -, aber im Grund nicht mehr wissen, was das alles bedeutet.
Ich muss mich ein wenig fremdschämen, wenn mir eine muslimische Mutter erzählt, sie hätte ihre christliche Bekannte gefragt, um was es denn an Pfingsten ginge. Die Antwort: „Keine Ahnung! Da sind halt Ferien…“

Und auch wenn das nach außen sichtbare Bild von Weihnachten und Ostern ein inhaltlich nicht sehr ergiebiges Bild ist, bin ich dennoch froh drüber. Denn gäbe es diese vermarktbaren Bräuche nicht, wären all unsere Feste so unwahrnehmbar wie Christi Himmelfahrt oder Pfingsten…

… die vergessenen Feste.
Christi Himmelfahrt ist halt Vatertag  – und Pfingsten: „Da sind halt Ferien…“
Das drittwichtigste christliche Fest – und die wenigsten wissen was da gefeiert wird. Traurig irgendwie…

Das mag daran liegen, dass es an diesen Festen eben keine niederschwelligen, netten und offen sichtbaren Bräuche gibt, die das Hineinschauen in das Fest leichter machen (und das Vermarkten und damit auch das Behalten…).
Aber es liegt vielleicht auch daran, dass wir (Christen? SeelsorgerInnen? TheologInnen?…) den Inhalt so wahnsinnig kompliziert machen und uns so schwer tun, drüber normalverständlich zu reden.
Natürlich ist der Heilige Geist nicht ganz so easy zu erklären wie Jesus selbst, bei dem wir sagen können: Schau da: Der war ein Mensch, hat das und das getan, hier stehen die Geschichten aufgeschrieben… (- obwohl die Sache mit der Himmelfahrt ist dann doch nicht soo einfach…)
Aber ich muss nicht unbedingt eine theologisch unangriefbare  Abhandlung schreiben, um den Leuten einen ersten Zugang zum Heiligen Geist und was dieser Begriff meint zu ermöglichen!
Sooo schwer ist das auch wieder nicht zu erklären. Ich mach das schließlich jedes Jahr in der Firmvorbereitung…

Aber ich habe einfach grundsätzlich dieses Gefühl, dass wir Christen uns viel zu oft um die Kernthemen und – aussagen unseres Glaubens drücken, „weil das alles so schwierig zu erklären ist und ich gar nicht weiß, wo ich da anfangen sollte…“
Also fangen wir gar nicht erst an, normal darüber zu reden, noch nichtmal miteinander, und schon gar nicht mit den anderen Religionen. (Dabei wäre das Denkkonzept „Heiliger Geist“ eine tolle Gesprächsbrücke gerade zu den fernöstlichen Religionen, aber auch zu vielen esoterischen Ansätzen.)
Und wenn es dann auch keine sichtbaren Zeichen und Bräuche gibt, die man halt macht, weil´s schön ist, auch wenn nicht immer klar ist, warum, dann verschwindet ein Fest wie Pfingsten halt in die totale Irrelevanz – und damit auch der Inhalt.
Und dann können wir drauf warten, dass auch der Feiertag verschwindet und damit die Ferien… Spätestens dann würden die Leute Pfingsten wohl wieder sehr wichtig finden… 😉

Wir können es uns als Christen nicht leisten, den Heiligen Geist in die allgemeine Vergessenheit abdriften zu lassen!
Nicht nur, weil er ein grundsätzlicher Teil unserer Dreifaltigkeitsaussage über Gott ist, sondern auch, weil er eine Zugangsweise zu Gott ist, die uns in unserer Zeit echt weiterbringen könnte! (Meine These…)

Das spricht in keiner Weise dagegen, dass wir auch über Gott Vater und Jesus Christus angemessen, offen und neu (?) sprechen sollten. Aber die Frage nach Gott ist ja durchaus wach in unserer Welt, die Frage nach Jesus auch.
Aber nach dem Heiligen Geist wird ja schon nicht mal mehr gefragt!

So, und jetzt warten (wahrscheinlich? hoffentlich? vielleicht?) alle darauf, dass ich endlich mal erkläre, wer oder was er nun ist, der Heilige Geist…

Cliffhanger!!!!

Das mach ich nächstes Mal, dieser Post ist schon lang genug.

(Und nachdem meine Sehnenscheidenentzündung langsam besser wird, müsst Ihr auch nicht sooo lang drauf warten!)

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s