Liebe Leser, ich bin Euch noch Ostern schuldig! Das geht ja gar nicht, nur über Kreuz und Karfreitag zu schreiben, und dann kommentarlos in die Osterpause zu gehen…
Aber eines darf ich da gleich vorausschicken: Einfacher wird es auch beim Thema Auferstehung nicht. Schöner – ja! Hoffnungsvoller – sicher! aber nicht einfacher…

Denn das, was wir an Ostern feiern, ist gleichzeitig die wichtigste Aussage unseres Glaubens und ein wirklich unbegreifliches Geschehen, das sich unserer Logik und unserem wissenschaftlich geschulten Gehirn entzieht.
Grundsätzlich ist es klar, worum es geht: Gott lässt Jesus nicht im Tod, er erweckt ihn zu neuem Leben und seine Auferstehung ist das Versprechen, dass uns das gleiche geschehen wird.
Als Christen ist uns das schon irgendwie klar, wir sagen es auch auf in jedem Gottesdienst: „Deinen Tod, o Herr verkünden wir und deine Auferstehung preisen wir, bis du kommst in Herrlichkeit.“
Aber wenn ich genauer nachfrage, höre ich immer öfter Zweifel an der Sache der Auferstehung, selbst bei regelmäßigen Kirchgängern – oder zumindest mehr oder weniger hilflose Versuche, sich das irgendwie verständlich hinzuerklären, was damals geschah.
Denn so wie das da in der Bibel erzählt wird kann es doch nicht wirklich geschehen sein, oder?  Das klingt dann doch zu sehr nach Märchen oder Wunschdenken…
Es ist doch sonst auch keiner zurückgekommen! Und wie sollte das auch konkret gegangen sein?

Tatsächlich lassen sich viele biblische Geschichten ja durchaus rational erklären, verständlich machen mit etwas Einblick in Sprache, Welt und Erzählstil der damaligen Zeit. Dass die Bibel nicht stets wörtlich zu nehmen ist, vieles da symbolisch gemeint ist und wir mit wissenschaftlichen Methoden an sie herangehen dürfen und müssen, ist mittlerweile hoffentlich bei jedem angekommen. Ebenso, dass wir in ihr dennoch Wahrheit finden, wenn auch nicht die Wahrheit der Wissenschaft.
Aber die Auferstehungserzählungen entziehen sich  dieser „vernünftigen“ Herangehensweise und Deutung merkwürdig hartnäckig.

Schon früh haben Zweifler und Kritiker versucht, die Auferstehung Jesu zu „zerklären“. Es gab z.B. den Versuch einer Erklärung, die besagt, dass er gar nicht gestorben sei, sondern nur ohnmächtig war und nach dem, was wir Auferstehung nennen, geflohen sei, um woanders weiterzuwirken. – Ein Versuch, das Geheimnis durch Ratio aufzulösen, der regelmäßig in boulevardwissenschaftlichen Fernsehsendungen wieder auftaucht.
Ein Firmling der letzten Jahre andererseits hat mir mal im Brustton der privat entdeckten Überzeugung gesagt, dass er davon ausgehe, dass die Jünger sich einfach zusammengetan hätten und behauptet hätten, dass Jesus lebe, weil dann alles weitergehen konnte. – Eine klassische Verschwörungstheorie…
In meinen Augen hilft das eine wie das andere nicht weiter bei der „Erklärung“ von Ostern.

Ja, ich gebe zu: Vieles verwirrt an der Geschichte, bzw. den Geschichten.
Die Uneinheitlichkeit der einzelnen Osterberichte, die die Kirche ganz bewusst ohne Wertung nebeneinander stehen lässt und an den vielen Sonntagen der Osterzeit liest.
Die überhaupt nicht logische Zeitleiste der Erzählungen.
Die Berichte, dass Jesus berührbar war, gegessen und getrunken hat wie zuvor und doch durch verschlossene Türen gehen konnte.
Und warum erkennen seine Freunde ihn oft zuerst nicht?
u.v.m.

Seltsam ist das alles schon.
Was ist jetzt wahr an den Berichten von den Begegnungen mit dem Auferstandenen?
Ganz offen gesagt: Das kann ich auch nicht erklären, zumindest nicht allgemeingültig oder wissenschaftlich.
Und wahrscheinlich ist das gut so.
Ostern reicht eben über das Menschenerklärbare hinaus, hinein in eine andere Ebene. Und jede Erklärung, die alle zufriedenstellt, würde das Geheimnis der Auferstehung Jesu Christi einengen in unsere menschlich begreifbare, messbare und begrenzte Realität.
Was „wahr“ daran ist, lässt sich vielleicht nur ganz persönlich entdecken, wenn wir uns auf die verschiedenen Erzählungen einlassen, indem wir sie als ganz persönliche Glaubenserfahrungen begreifen, die auch damals schwer in menschliche Worte zu fassen waren. Indem wir sie in ihrer Verschiedenheit nebeneinander stehen lassen, ohne sie logisch auflösen zu wollen.
Und indem wir darauf vertrauen, dass all diese Menschen wirklich etwas erlebt haben, etwas ganz grundsätzlich Bewegendes und Berührendes. So berührend, dass sie davon erzählen wollten/mussten. Etwas, das so wichtig, so grundsätzlich, so weltbewegend war, dass sie all ihre Hoffnungen darauf gesetzt haben.
Eine Erfahrung, die nicht ein Einzelner, sondern viele gemacht haben, wie unterschiedlich sie auch im Einzelnen war.
Es geht um Vertrauen an Ostern – um das Vertrauen darauf, dass diese Menschen uns nicht mutwillig anlügen wollten (wozu auch?), sondern ihre eigene, schwer fassbare Glaubenserfahrung mit uns teilen wollten, wobei ihre Vielzahl und Vielfältigkeit ihre Glaubwürdigkeit in meinen Augen sogar noch erhöht, nicht verringert.
„Diesen Jesus hat Gott auferweckt, dafür sind wir alle Zeugen.“ (Apg 2,32)
Es geht um Vertrauen darauf, dass diese Zeugen etwas weitergegeben haben, das über unsere Welt hinausreicht, bis hinein in göttliche Realität.

Letztendlich geht es bei Ostern ganz einfach um – Glauben.
Nicht grundlos, nicht blind-naiv, aber eben um Glauben daran, dass damals wirklich etwas Erstaunliches geschah: „Diesen Jesus hat Gott auferweckt, dafür sind wir alle Zeugen.“

(Ja, ich kann schon irgendwie ganz gut verstehen, warum sich manche bei Ostern auf das simple Frühlings- und Fruchtbarkeitsfest zurückziehen.
Leid, Tod und Auferstehung sind starker Tobak – und gerade das ist der Urgrund unserer Religion… Einfach wird´s uns da nicht gemacht. Aber deshalb feiern wir Ostern ja nicht nur einmal, sondern jedes Jahr. Vielleicht verstehen wir von Jahr zu Jahr etwas besser… mit Kopf, mit Herz, mit Bauch, mit Seele?)

 

 

 

 

 

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