… Oder:  Christsein ist kein Kindergeburtstag…

(Zuerst einmal ist eine Entschuldigung fällig dafür, dass ich so lange nichts gepostet habe. Natürlich habe ich all die üblichen Ausreden: Ich war ein paar Tage nicht da, habe dann noch Geburtstag gehabt, und überhaupt der ganze Arbeitsberg vor Ostern… Aber ich weiß, dass ein Blog, wenn man ihn schon gestartet hat, nicht vernachlässigt werden darf… Ich gelobe Besserung!)

So, aber nun zum Thema:

Wir sind mitten in dem, was wir die „heilige Woche“ nennen (Palmsonntag bis Ostersonntag).

Die meisten denken bei Ostern vor allem an Ferien, das letzte Mal Skifahren vielleicht, und dann noch den Osterhasen und die Ostereier für die Kinder und den guten Ostersonntagsbraten für das Familientreffen. – Aber alles das ist dann doch lange nicht so wichtig wie Weihnachten…
Gegen ein schönes Familienosterfest ist zwar nichts zu sagen, reduziert aber das wichtigste christliche Fest auf seine vorchristlichen Wurzeln eines Lebens- und Fruchtbarkeitsfestes. Das mag für viele auch genug sein, für mich ist es der „easy way out“ aus dem, was Ostern eigentlich bedeutet.

Denn Ostern ist nicht „easy“ und an diesem Fest lässt sich auch ganz gut festmachen, dass das Christentum nicht „easy“ ist. Dieser Glaube macht es seinen Gläubigen nicht leicht. Nicht nur verlangt er von uns, selbst zu denken, er konfrontiert uns auch mit den unangenehmsten Bildern und Wahrheiten und verlangt dann, dass wir uns entschieden dazu stellen. Anspruchsvoll!
Wer denkt, Christsein wäre in einem Autoaufkleber „Freu dich! Jesus liebt dich!“ zu fassen, wird spätestens in dieser Woche merken, dass er/sie da was nicht verstanden hat.
– Und irritiert sein, beunruhigt sein, vielleicht eben auch wegschauen und sich lieber dem Osterhasen zuwenden.
Denn die Geschichte dieser Woche nimmt uns mit auf eine schwer auszuhaltende Achterbahnfahrt, die uns mit den Höhen und Tiefen des menschlichen Wesens konfrontiert, mit Ruhm und Stardom, mit Scheitern, mit Versagen,… und uns immer wieder den Spiegel vorhält und uns anfragt: „Wie hättest du gehandelt?“
Und zum Abschluss stellt sie uns vor eine der unbegreiflichsten, unbeweisbarsten und schwierigsten Glaubenszusagen überhaupt: Die Auferstehung.

Es beginnt am Palmsonntag ganz oben mit Jubel und Ruhm: „Jesus soll unser König sein!“, lassen wir die Kinder singen, wenn sie die Palmbuschen hochhalten. Jesus ist ganz oben angekommen, nur um ganz tief zu fallen. So gern wir in der Jubelsituation des triumphalen Einzugs in Jerusalem bleiben möchten, müssen wir uns noch amselben Tag bereits die Leidensgeschichte zum ersten Mal anhören, fast so, als wollte uns die kirchliche Leseordnung sagen: Freut euch nicht zu früh!

Das kennen wir auch heute: Stars werden im Netz gehypt, in vollen Stadien zu Halbgöttern erhoben. – Bis der erste Shitstorm kommt, bis seine bloße Menschlichkeit sichtbar wird oder schlimmer: Bis der Rückfall kommt in die Bedeutungslosigkeit und ins Unbekannt und Unerkannt Sein.

Wer bin ich in dieser Szene?
Jubelnder?
Bejubelte, die genau spürt, wie oberflächlich und wenig nachhaltig dieser Fanruhm ist? Oder sorgenvoller Zuschauer, der ängstlich darauf wartet, dass diese Situation eskaliert, zu einem Aufstand wird, ins Zerstörerische kippt?
Oder Gegner, der den Jubel nicht aushalten kann, nicht will, dass dieser da so viel Aufmerksamkeit bekommt, gerade weil er einer von den „Guten“ ist?
Oder Unbeteiligter Wegschauer?
Oder eine der Verantwortungsträgerinnen, die Schlimmeres vermeiden will: „Es ist besser, dass einer für das Volk stirbt…“
All denen werden wir wieder begegnen, an dem anderen Weg, an dem aus Jubel Schläge und aus „Hosianna!“ „Ans Kreuz mit ihm!“ wird.

Die Rollenverteilung in der Geschichte vom Leiden, vom Kreuz, von der Auferstehung ist alles andere als eindeutig. Da gibt es nicht Klares Schwarz und Weiß – und irgendwo in all den Grautönen können wir uns alle finden, uns selbst, unsere Welt wie sie heute ist, alle Täter und alle Opfer, alle.
Vielleicht ist genau deshalb diese Geschichte immer wieder eine ganze Woche des Bedenkens, des Feierns wert.
Sie zeigt uns ganz deutlich, wie wirr und unklar die Welt ist, auch unsere heute; wie Absichten, Ursachen, Schuld mit hineinverflochten sind in alles, was wir versuchen.

Die Frage, wo und wie Gott in all dem ist, warum er so etwas zulässt, ist berechtigt und aktuell. Sie ist nicht so einfach zu beantworten.
Ein einfaches „Gott ist da!“ „Gott hat dich lieb!“, ist da unangebracht, klingt sogar höhnisch.
Gott ist nicht einfach, nicht im Ganzen begreifbar, nicht lösbar we eine Gleichung; und jede Religion, jede Glaubensrede, die das versucht, wird unserer Welt und all dem Leid, all dem Schwierigen und Komplexen in ihr nicht gerecht.
Auch das ist eine Grundaussage unseres christlichen Glaubens, die schwer auszuhalten ist. Aber alles andere wäre zu billig.
Christsein ist eben kein Kindergeburtstag, sondern verflixt kompliziert, wie das Leben selbst.

Und die Heilige Woche stellt uns mitten hinein in diese Schwierigkeiten. – Und das ist auch gut so!

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