Gründonnerstag ist die vernachlässigte Station der Heiligen Woche, unseres Feierns des unbegreiflichen Geschehens um den Tod Jesu. Seit es kein Feiertag mehr ist, geht keiner mehr hin. – Na gut, fast keiner…

Dabei ist genau dieser Abend so voller Spannung wie kaum ein Hollywoodfilm. Wir erleben mit, wie sich alles entscheidet, was sich damals in dieser Pessachfestwoche in Jerusalem langsam im Hintergrund angebahnt hat:

Die Kräfte der Macht haben sich längst zusammengetan:
Die Römer, denen da schon wieder ein Messias, will sagen, einer mit göttlichem Machtanspruch, im Weg umgeht. So einige messianische Aufstände haben sie bereits mit Waffengewalt niedergeschlagen…
Dazu die Verantwortlichen der Juden im Hohen Rat: Politisches Kalkül und Vorsicht lassen sie zum Entschluss kommen, dass dieser Jesus weg muss. Weil er mit dem Klang der Wahrheit spricht, weil ihm zu viele Menschen nachlaufen, weil er zu gut ist, weil er die Finger in die Wunden – also die Fehler und Mängel – des Establishments legt, weil er gefährlich ist.
Sogar in den eigenen Reihen ist einer beteiligt. Was Judas will, bleibt unklar: Will er Jesus zum (politischen) Handeln zwingen? Ist er mit der Situation unzufrieden? Hat er sich das mit der messianischen Ankunft anders vorgestellt?

Die Schlinge zieht sich zusammen um Jesus und er weiß das.
Hat er sich vor der Entscheidung gesehen: Weglaufen, fliehen, sich retten – und damit seine ganze Botschaft unglaubwürdig machen? Oder bleiben, durchhalten, die Konsequenzen seines Handelns und Redens tragen?
Wir kennen das Ergebnis.

Nun feiert er mit seinen Freunden Pessach, ein Fest voller Freude, ein Fest der Befreiung… Wie feiert man so etwas im Angesicht des Todes?
Der Gründonnerstagsgottesdienst nimmt uns mit hinein in dieses Fest. Wie in einem klassisches Drama kurz vor der Katastrophe erleben wir mit, wie das Unheil unbremsbar seinen Lauf nimmt.
Vergegenwärtigung nennt man das liturgisch. Wir sind mitten drin. Was damals war, geschieht jetzt, wie in einem guten Film…
Nach dem Gloria verstummen Orgel und Glocken – der Soundtrack des Thrillers schaltet auf beunruhigende Stille.
Wir sind dabei, als er zugleich mit dem Verräter seine Hand in die Schüssel taucht und als dieser den Raum verlässt. Aber wir sind auch dabei, wenn Jesus seinen Jüngern sein Vermächtnis übergibt: In den zwei Zeichen der Fußwaschung und im Teilen von Brot und Wein: „Denn am Abend, an dem er ausgeliefert wurde und sich aus freiem Willen dem Leiden unterwarf – das ist heute -, nahm er das Brot und sagte Dank, brach es, reichte es seinen Jüngern und sprach: Nehmet und esset alle davon. Das ist mein Leib, der für euch hingegeben wird…“ – Immer wenn ihr das tut, bin ich bei Euch wie aus Fleisch und Blut. – Ich bin bei euch bis ans Ende aller Tage.
Sie werden trotzdem verzweifelt sein, hoffnungslos und untröstlich am Tag seines Todes…
Glauben, dass es ein Danach gibt, war auch damals nicht leicht.

Wir sind mit dabei, wenn das Fest vorüber ist (die Kirche wird leer geräumt, die Liturgie spricht sogar von Verwüstung) – und Jesus in den Garten geht, um zu beten.
Und machen wir uns nichts vor: Da schreit einer seine Angst zum Himmel wie es zahllose Menschen auch heute noch jeden Tag tun.
– Und seine Freunde schlafen den Schlaf der nicht Betroffenen. Wie schwer ist es doch, sich dem Leid des anderen zu stellen…

Und dann: Tumult am Eingang: Soldaten, Abgesandte des Hohenpriesters und noch einer…
Seht, der Verräter, der mich ausliefert, ist da!

(Ich weiß, es ist zu spät, um einzuladen, einen der Gründonnerstagsgottesdienste zu besuchen. Und vielleicht sind eh nicht alle so gefeiert, dass man das wirklich gut erleben kann… Aber dennoch: Versucht es mal wieder! Die Heilige Woche ist kein Wunschkonzert. Nur das Ganze macht Sinn!)

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