„Perfektionismus ist ein Werkzeug des Teufels.“
Ich glaube zwar nicht an das personifizierte Böse in mythologischer Gestalt, aber dieser Satz ist dennoch eine meiner liebsten Lebensweisheiten.
Denn, wenn Jesus mit uns fehlerfreundlich umgeht, sollten wir das auch tun, mit uns selbst und mit anderen. Die Perfektion/Vollkommenheit Gottes als Anspruch auf uns Menschen zu übertragen, ist schlicht unheilvoll. Und dennoch passiert das überall:

Körperliche Perfektion z.B. scheint in unserer Zeit ein hoher Wert zu sein.
Da werden mehr oder weniger willkürliche Schönheitsideale aufgestellt, denen Menschen bis zur Selbstzerstörung nacheifern. Und wenn der reale Mensch nicht genügt, wird eben mit Photoshop o.ä. nachgebessert, um zumindest auf den Bildern eine Perfektion zu erreichen, die nicht wirklich menschlich ist, – wenn auch faszinierend. Es wird verglichen und gewertet, in Wettbewerben ausgesiebt und abgeurteilt.
Dabei machen uns doch gerade unsere Unterschiede und Unvollkommenheiten individuell schön.
– Ihr kennt vielleicht die Fotoexperimente, wo viele Fotos übereinandergelegt werden bis das Endergebnis zwar irgendwie schön, aber auch völlig ohne Persönlichkeit ist?
Fitness und Gesundheit gehören auch in den problematischen Bereich „körperliche Perfektion“. Sie, die ja was eigentlich Gutes sind, werden von manchen bis zum Exzess, bis zum Wahn, ja bis zur Sucht getrieben. Alles Gute wird halt fragwürdig, wenn es maßlos wird.
Doch der gesellschaftliche Perfektionsanspruch ist auch in anderen Bereichen spürbar: Die perfekte Karriere, der perfekt geführte Haushalt, die perfekte Hochzeit, die perfekte Familie, die perfekten Kinder… Oh, die perfekten Kinder…
Am besten sollen sie alle aufs Gymnasium gehen, wahrscheinlich sind sie ja eh hochbegabt, und wenn es nicht klappt, haben die Eltern versagt…?
So früh wie möglich fördern, Sport, Musikstunden, Ballett und wenn es sein muss Nachhilfe bis zum Abwinken…Nur einfach mal zweckfrei spielen, draußen vielleicht sogar, das geht nur noch selten, wenn bei all dem anderen halt noch Zeit bleibt.
Und wir wundern uns, dass Kinder wie Eltern einen nie dagewesenen Leistungsdruck spüren? Der Film „Bad Moms“ bringt das ganz gut, wenn auch übertrieben auf den Punkt:

Wenn wir uns diesem Perfektionsdruck unterwerfen, was geschieht dann mit unserem Leben, wenn irgendwas schief geht?

Es wäre dringend nötig, den Druck rauszunehmen aus unserem Leben, uns ganz offiziell Fehler, bzw. Imperfektionen zuzugestehen:
Es gibt nämlich keine perfekten Eltern. Die braucht auch keiner. Viel wichtiger sind die Eltern, die Zeit haben, sich für Fehler entschuldigen können – auch bei Ihren Kindern -, die das Leben mit Humor nehmen können und ihre Kinder einfach lieben.
Es gibt keine absolute Schönheit. Aber es gibt individuelle Schönheit, die nicht körperliche Perfektion ist, sondern von Ausstrahlung lebt, vom eigenen Stil und von der Zufriedenheit mit sich selbst. Schließlich macht uns auch das, was nicht perfekt ist, zu uns selbst, macht uns liebenswert.
(Dazu ein Songtipp: https://www.youtube.com/watch?v=Mk7-GRWq7wA.)
Wir alle haben Fehler und machen Fehler, Fehler bei den eigenen Entscheidungen, Fehler im miteinander Leben. Denn es gibt keine Beziehungen ohne Verletzungen, ohne Streit oder Fehler.
Und Fehler sind gut, denn aus Fehlern kann man lernen.

Perfektion ist unmöglich und auch gar nicht notwendig.
Perfektionismus ist kräftezehrend, schädlich und unendlich aufreibend und nervig. Deshalb sind Perfektionisten in der Regel auch unglaublich anstrengende Zeitgenossen.
Für die letzten ca. 20% zur hundertprozentigen Perfektion braucht es übrigens mindestens so viel Kraft wie für die ca. 80 % zuvor. Was für eine Verschwendung von Leben!

Lasst uns deshalb mutig eine Lücke lassen nach oben.
Lasst uns misstrauisch sein, wenn etwas zu perfekt nach Plan läuft.
Freuen wir uns über die kleinen Fehler und Missgeschicke, die alles erst so richtig lebendig machen.
Denn genau in dem, was nicht perfekt läuft, passiert oft das Leben.

Lasst uns fehlerfreundlicher werden, uns selbst gegenüber und anderen gegenüber!

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s